Der Herzbaum

Mitten in einem Feld, ganz allein, stand ein Baum. Jetzt fragt ihr euch sicher, warum er so ganz allein auf der Wiese stand , ein gutes Stück weit weg von all den anderen Bäumen?

War er einer von jenen, die einfach immer im Mittelpunkt stehen wollten, angehimmelt von den anderen, ständig im Glanz der Sonne, egoistisch im Vordergrund? War er ein Eigenbrödler, der keine Gesellschaft wollte, sich gerne von den anderen abgrenzte, sich nicht anpassen wollte, nicht teamfähig war? Hatte er zu wenig aufgepasst, sich gar in der Vielzahl der Möglichkeiten auf den falschen Fleck verirrt? War er dumm, eigensinnig, einfach nur neugierig oder abenteuerlustig?

Nein, er war gar nichts von alledem. Er war ein Herzbaum. Ein Baum, der spürte, dass er genau an diesem Fleck Erde wachsen sollte. Er wusste, dass seine große Aufgabe darin bestand, genau da zu sein. Allein. Mitten im Feld. Fernab von seinen Brüdern und Schwestern. Mitten im Fokus der anderen. Er vertraute darauf, dass alles seinen Sinn, seine Bedeutung hatte. Er glaubte daran, dass er so nach und nach erkennen würde, warum genau das seine Heimat sein sollte. Er wurde wichtige Orientierungshilfe für andere, Treffpunkt für Schattensuchende auf der Durchreise, mutiges Vorbild für manch Zweifelnde, besondere Begegnungsstätte. Der Herzbaum stand ganz allein mitten im Feld, aber er war nie einsam oder ängstlich. Er lebte seine Bestimmung und wuchs jeden Tag ein kleines Stück über sich hinaus, weil er liebte und dankbar war für das, was ihm geschenkt wurde.

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